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15.06.2015

„Billigtransporte“– die fragwürdigen Methoden von Airlines

Kein Kündigungsschutz, «flexible» Arbeitszeiten und weniger Sozialleistungen für Piloten: mit welchen Tricks Ryanair (und andere Fluggesellschaften) Schlupflöcher in Arbeitsgesetzen ausnutzen und Tarifverträge umgehen.

Pilot zu werden galt lange als absoluter Traumjob. In der Branche hat sich aber einiges geändert. Und viele Piloten sind mehr als desillusioniert.

Seit Monaten läuft nun schon eine große Ryanair-Charmeoffensive - die Iren wollen raus aus dem Imagekeller. Die Billig-Airline lässt Passagiere ein zweites Stück Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen, hat Gebühren gesenkt und die Online-Buchung vereinfacht. Was der Airline aber offenbar weiterhin egal ist, ist das eigene Personal. Ende Mai nutzten Piloten des Billigfliegers die Luftfahrtmesse ILA in Berlin, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen – und Ryanair anzuklagen. Die Piloten würden nicht respektiert, in den Sommermonaten gebe es für die meisten überhaupt keinen Urlaub und von einem Bruttogehalt von 6000 Euro blieben nach Abgaben und Steuern manchmal nur gut 500 Euro zum Leben über. Im Winter zahlten die Piloten auch schon mal drauf, weil sie keine Flüge bekämen und trotzdem Geld für Stunden im Flugsimulator an Ryanair zahlen müssten. Wie das geht? Mit Scheinselbstständigkeit.

Statt im gut bezahlten Traumjob, den sie sich erhofft hatten, landen immer mehr Piloten in der Scheinselbstständigkeit oder anderen Formen atypischer Beschäftigung – Tricks, durch die Airlines einen großen Teil der Lohnkosten sparen können. So werden Tarifverträge gern umgangen, indem man Piloten über Drittfirmen anheuert, die wiederum eigene Konditionen haben. Ryanair – und auch andere sog. Billig-Airlines – nutzen das aus.

Insgesamt sind zwar fast 80 Prozent der Piloten fest angestellt - aber: von denjenigen, die sich als selbstständig bezeichneten, arbeiten 70 Prozent bei einer Billig-Airline. Zudem: Rund 17 Prozent der Piloten, die für Billig-Airlines arbeiten, sind über eine Zeitarbeitsfirma angestellt.

Es gebe in Europa eine Reihe von Fluggesellschaften, die Verträge mit solchen sehr fragwürdigen Konstruktionen abgeschlossen hätten – so Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) . „Es geht dabei im Prinzip fast immer darum, dass nur dann Geld gezahlt wird, wenn der Flugzeugführer auch tatsächlich fliegt“, erläutert er. In Zeiten niedriger Nachfrage verdienten viele dann gar kein Geld. Die Verträge führten aber auch dazu, so Wahl, dass sich eigentlich kranke Kollegen zum Dienst melden, da sie mit ihrem Arbeitgeber keinen Ärger wollten. Für den VC-Sprecher ist dies „absolut unakzeptabel, da es die Flugsicherheit gefährdet. Flugzeugführer müssen zu 100 Prozent fit sein.“ (Quelle dpa)

Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen mehrere Firmen, die mit Ryanair zusammenarbeiten. Es bestehe der Verdacht des „Nichtabführens von Sozialversicherungsbeiträgen und der Steuerhinterziehung“. Der Hintergrund: Für ihre Dienste erhalten die Piloten über den Personaldienstleister, nicht aber von der Fluggesellschaft, ein Honorar. Das hatte für Ryanair bislang den Vorteil, dass keine Beiträge zur deutschen Sozialversicherung gezahlt wurden, da für die formal selbstständigen Piloten aus Sicht der Fluggesellschaft die hiesigen Regelungen nicht gelten – die Staatsanwaltschaft sieht das aber anders.

PRAXIS meint:
Nur ein typisches Beispiel, mit welch miesen Tricks und Methoden Unternehmen (in der Luftfahrt – aber auch in vielen anderen Branchen) geltendes Recht sowie Tarifbindung umgehen und ihr qualifiziertes Personal ausnutzen, schlecht und unter inakzeptablen Bedingungen arbeiten lassen. Reformen sind hier dringend nötig - etwa globale Standards festzulegen, wie viele Stunden Piloten ohne Pause fliegen dürfen. Außerdem muss auch das Management der Airlines besser beobachtet werden. Die Einschüchterungen, von denen viele Piloten berichten, sind nicht hinnehmbar.
Es ist vielleicht auch kein Zufall, dass der schreckliche, vom Co-Piloten bewusst herbeigeführte, Absturz der Germanwings-Maschine, in einer Zeit der Umstrukturierung und des Aufbaus des „Nochbilligerfliegers“ Eurowings passierte, was eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherheit bzw. Flugsicherheit mit sich bringen könnte. Wie UFO in einem Flugblatt im Dez. 2014 feststellte. Zum derzeitigen Stand bei Germanwings siehe die UFO hier … und eine Milieuschilderung aus focus-Online hier ….

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